Die Gründung der
Hans-Mayer-Gesellschaft

Mitte: Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Vorsitzender
Links: Dr. Heiner Wittmann, Stellvertretender Vorsitzender
Rechts: Rudolf Zink, Kassierer

Zur Gründung der Hans-Mayer-Gesellschaft

Revolutionen und Rebellionen im 20. Jahrhundert war das Thema der jährlichen literarisch-politischen Tagung, die vom 08. bis 10. Juni 2018 im ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg in Berlin stattgefunden hat. Nach einem Vortrag über Döblins großes Erzählwerk »November 1918« wurde seine literarische Betrachtung diskutiert. Die erste vollständige Veröffentlichung im Juli 1972, kommentierte Hans Mayer im Spiegel unter dem Titel „Eine deutsche Revolution. Also keine“. Für Mayer ist das Revolutionsopus »November 1918« das wichtigste Werk des Epikers Döblin: „Natürlich ist dies ein bitteres Werk des Exils: voller Nachtgedanken an Deutschland. Ein historischer Roman, der in jedem Augenblick die Gegenwart meint. Das Ende eines ersten Weltkriegs wird berichtet in Erwartung der Folgen eines zweiten.“ Die historische und literarische Komplexität dieses Romans, die Mayer so gelungen vorträgt, verdeutlicht, warum man ihn auch heute noch lesen sollte.

Hans Mayer geboren zu Beginn des 20. Jahrhunderts und zum Zeitpunkt der Novemberrevolution 11 Jahre alt, hat deren Ursprung und Entwicklung als politischer Kopf und mit hohem historischen, kulturellen, und literarischen Verstand verfolgt und öffentlich Stellung bezogen, literarisch, publizistisch, in Reden und Rundfunkbeiträgen. Aus seinem vieltausendseitigen Werk ist viel zu lernen.

Die im Anschluss an die oben genannte Tagung im ver.di Bildungs- und Begegnungszentrum gegründete Hans-Mayer-Gesellschaft hat es sich u.a. zum Ziel gesetzt, den literarischen, kulturpolitischen und politischen Denker Hans Mayer erneut ins Bewusstsein und Denken der Gegenwart zu bringen. Er besaß ein nahezu enzyklopädisches Wissen über Literatur, die in seinen tagesaktuellen Bezügen immer prägnant einzuschätzen wusste. Am Lebensweg und Lebenswerk Hans Mayers kann man lernen, wie Kunst und Literatur zum Verständnis der Subjekte und der Gesellschaft beitragen können und wie in der kritischen Analyse Orientierung gefunden werden kann für eine hoffnungsvolle Zukunft und die Sehnsucht nach einem menschenwürdigen Leben. Eine Orientierung und ein Fundament gegen Widrigkeiten und Widerstände auf dem Weg zu einem humanen und demokratischen Sozialismus.

Als Gründungsmitglieder waren am 10. Juni in Berlin anwesend: Pieke Biermann, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, Hans-Ernst Böttcher, Jost Hermand, Hubert Kolland, Welf Schröter, Heiner Wittmann, Claudia Wörmann-Adam und Rudolf Zink.

Wer Interesse an der Hans-Mayer-Gesellschaft hat, wende sich an:
kontakt@hans-mayer-gesellschaft.de.

Hans Mayers Leipziger Bibliothek

„Jetzt habe ich, allerdings unter Investierung von viel Geld, in Berlin&Leipzig eine schöne Bibliothek von mehr als 700 Bänden zusammengekauft: eine richtige und notwendige Handbibliothek für einen Professor der Kulturgeschichte“, schreibt Hans Mayer im Februar 1946 stolz an seinen ehemaligen Frankfurter Assistenten Walter Wilhelm.¹ Im Lauf seiner Leipziger Zeit wächst diese Bibliothek auf ca. 5000 Bände an.
Nachdem Mayer im Herbst 1963 nicht mehr in die DDR zurückkehrte, wurde seine Wohnung durch die Leipziger Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und zwangsversteigert. Die Bibliothek übernahm Wilhelm Girnus für das germanistische Institut der Humboldt-Universität zu Berlin.² In dem jüngst erschienen Buch »Schreiben lernen im Sozialismus«³, wird im Zusammenhang mit Hans Mayers Einsatz für die Neugründung des »Deutschen Literaturinstituts Leipzig«, als Nachfolgeeinrichtung des ehemaligen »Johannes R. Becher Instituts« berichtet, dass Mayer seine ehemalige Leipziger Privat-Bibliothek dem neuen Institut vermachte. Als Quelle für diese Nachricht wird der „Spiegel“ Nr. 30 von 1992 zitiert. Nach Informationen der Bibliothek des Literaturinstituts sind die Bücher dort allerdings nicht angekommen. Die Frage: Wo sind sie geblieben? Wir werden versuchen, das herauszufinden.
Das Buch von Lehn u.a. ist äußerst interessant, nicht nur in Bezug auf die Entwicklung und die Abwicklung des »Johannes R. Becher Instituts«. Man findet auch viele Ausführungen, die deutlich machen, warum Hans Mayer und Ernst Bloch sich mit ihren Vorstellungen zu kritischem Marxismus und der literarischen Moderne gegenüber dem ästhetischen und kulturpolitischen Diskurs und dem Konzept des „sozialistischen Realismus“ der DDR-Führung nicht behaupten und durchsetzen konnten.

1 Siehe Hans Mayer, Briefe 1948-1963, Leipzig 2006, S. 16
2 Ebenda, S. 597
3 Isabelle Lehn, Sascha Macht Katja Stopka, Schreiben lernen im Sozialismus – Das Institut für Literatur »Johannes R. Becher«, Göttingen 2018, S. 545

Hans-Mayer-Gesellschaft gegründet

Köln, 10. Oktober 2018. Hans Mayer, fast von den Medien und der Öffentlichkeit vergessen. Einer der renommierten Literaturwissenschaftler Deutschlands; in Ost und West. Wer ihn liest oder wieder liest findet Antworten: Zu fast allen relevanten Schriftstellerinnen und Schriftstellern in der DDR und der BRD im 20. Jahrhundert. Aber auch zu den europäischen Literaturen. Hans Mayer war gefragt. Seine Einschätzungen und sein Urteil haben auch heute noch Bestand. Er hat das vergangene Jahrhundert erlebt, erlitten und mit seinem kritischen Urteil begleitet. Lesenswert die Vielzahl seiner Veröffentlichungen. Für die Literatur ohnehin aber auch für die politische Entwicklung. Was Deutschland uns heute ist und warum es so ist, lernt man bei ihm – nicht zuletzt in der Vielzahl seiner Reden und Publikationen über Deutschland zu verstehen.

Zum Herunterladen: Medieninformation > Hans-Mayer-Gesellschaft gegründet *.pdf

Die jüngst gegründete Hans-Mayer-Gesellschaft will seine Einschätzungen und sein literarisches Vermächtnis bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Zahl der Publikationen Hans Mayers zeugt von einem vielfältigen Oeuvre. Allein an Büchern hat er über 70 Titel vorgelegt und die Zahl der Zeitschriftenbeiträge, Vorworte, Nachworte, Kommentare etc. geht hoch in die Hunderte. Die Themenvielfalt ist faszinierend, neben literarischen und literaturwissenschaftlichen Veröffentlichungen sind es juristische, soziologische, kulturpolitische und musikalischen Themen, denen er sich sowohl historisch, als auch tagesaktuell widmete. Anzumerken auch seine Übersetzungen aus dem französischen und die Herausgabe von Texten englischer Klassiker. Er besaß ein nahezu enzyklopädisches Wissen über Literatur, die er sowohl im Zeithorizont als auch in ihrer aktuellen Bedeutung prägnant einzuschätzen wusste.

Eine seiner wichtigsten Publikationen ist das 1975 erschienene Buch »Aussenseiter«. Dessen Kernthese ist die Behauptung, „daß die bürgerliche Aufklärung gescheitert ist. Formale Gleichheit vor dem Gesetz ist nicht mit der materialen Egalität einer gleichen Lebenschance zu ver¬wechseln, eignet sich vielmehr, wie die Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft demonstriert vorzüglich zur Verhinderung.“

Am Werk Hans Mayers kann man lernen, wie Kunst und Literatur zum Verständnis der Subjekte und der Gesellschaft beitragen können. Wie in der kritischen Analyse Orientierung gefunden werden kann. Eine Orientierung und ein Fundament gegen Widrigkeiten und Widerstände auf dem Weg zu einem humanen und demokratischen Sozialismus.

Es ist zu Lernen für eine hoffnungsvolle Zukunft und die Sehnsucht nach einem menschenwürdigen Leben aus Hans Mayers Werken. Hierzu beizutragen, sieht die Hans-Mayer-Gesellschaft als eine wesentliche Aufgabe an. Eingedenk des aufgeklärt-humanistischen Denken Hans Mayers setzt sich der Verein gesellschafts- und kulturpolitisch ein für Toleranz und gegen jegliche Form von Hass, Rassismus, Faschismus, Neofaschismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie sowie Fremdenfeindlichkeit.

„Goethe-höchst-selbst“

Liebe Leserinnen und Leser,

nein, es geht nicht um den Geheimrat dessen 269. Geburtstag man am 28. August würdigen konnte. In Christoph Heins neuem Buch »Verwirrnis«, das ich nachdrücklich zur Lektüre empfehle, geht es um „geheime Liebe in unruhigen Zeiten“. Im Klappentext heißt es dazu:
„Friedeward liebt Wolfgang. Und Wolfgang liebt Friedeward. Sie sind jung, genießen die Sommerferien, fahren mit dem Fahrrad die weite Strecke ans Meer, und reden stundenlang über Gott und die Welt. Sie sind glücklich, wenn sie zusammen sind, und das scheint ihnen alles zu sein, was sie brauchen. Doch keiner darf wissen, dass sie mehr sind als beste Freunde. Es sind die 1950er-Jahre, sie leben im katholischen Heiligenstadt, und für die Menschen um sie herum, besonders für Friedewards strenggläubigen Vater, ist ihre Liebe eine Sünde. Käme ihre Beziehung ans Licht, könnten sie alles verlieren. Als sie zum Studium nach Leipzig gehen – Friedeward studiert Germanistik, Wolfgang Musik -, finden sie dort eine Welt gefeierter Intellektueller, alles flirrt geradezu vor lebendigem Geist. Und sie lernen Jacqueline kennen, die ihnen gesteht, dass sie eine heimliche Beziehung zu einer Dozentin hat. Zu viert besuchen sie die legendären Vorlesungen im Hörsaal vierzig, gehen ins Theater, tauchen gemeinsam ein ins geistige Leben der Stadt. Und da reift in den drei Freunden der Plan: Wäre es nicht die perfekte ‘Tarnung’, wenn einer von ihnen Jacqueline zum Schein heiraten würde?“
Bei den legendären Vorlesungen im »Hörsaal 40« geht es um die Vorträge Hans Mayers, der im Buch Heins unter dem Namen „Goethe-höchst-selbst“ agiert. Die Beschreibungen des Mayer-Schülers Christoph Hein sind sicher sehr nah an der Realität. Interessant auch der Blick auf beide Deutschlands zu jener Zeit, die Hein als ein ausgezeichneter Chronist kenntnisreich erzählt. Spannend auch mit dem Lebensschicksal der „Außenseiter“ homosexueller und lesbischer Liebe in Deutschland Ost und West.
Über den »Hörsaal 40« als „seinen Ort“ hat auch Hans Mayer selbst geschrieben im Band II seiner Erinnerungen als ein Deutscher auf Widerruf. Es ging für Mayer dort um ein „unentwirrbares Suchen und Finden“ eine Zustandsbeschreibung, die sich vielleicht nicht zufällig mit dem Titel »Verwirrnis« von Heins Roman verbindet.

Claudia Wörmann-Adam, Hans Mayer: Deutscher auf Widerruf. 1907-1945

Hans Mayer wird 1907 in Köln geboren. Seine Familie ist jüdisch und großbürgerlich geprägt. Der Vater Rudolf, von Beruf Kaufmann, sehr kultur- und kunstinteressiert, sammelt moderne Malerei. Die Mutter, Ida, gibt Abendessen für bedürftige KünstlerInnen; zu ihnen gehört u. a. die Dichterin Else Lasker-Schüler, die regelmäßig zum Abendessen kommt; Hans Mayer öffnet ihr als Junge oft die Tür. Schon als junger Mensch liest er viel, besucht Theater, Konzerte, Opern, spielt begnadet Klavier. Er besucht das Gymnasium; studiert in Köln und Berlin Jura, legt 1930 seine Promotion in Köln beim von ihm sehr geschätzten Prof. Hans Kelsen ab und 1933 das zweite Staatsexamen.

* Vortrag von 2015.


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Claudia Wörmann-Adam, Was bleibet aber stiften die Dichter… zum 100. Geburtstag von Hans Mayer*

Hans Mayer wurde am 19.3.1907 in Köln, in der Genter Str. im belgischen Viertel geboren. 5-6 Jahre später zog die Familie nach Neuehrenfeld zum heutigen Ehrenfeldgürtel in die Nähe der Großeltern. Die Familie war jüdisch und großbürgerlich. Sein Vater Rudolf war Kaufmann und sehr kultur- und kunstinteressiert. Er sammelte moderne Malerei, beraten von Josef Haubrich.

Die Mutter, Ida, gab Abendessen für bedürftige Künstler/innen, zu ihnen gehörte u. a. auch Else Lasker Schüler, die regelmäßig zum Abendessen kam. Hans Mayer hat ihr als Junge oft die Tür geöffnet. …

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* Vortrag bei der Veranstaltung zum 100. Geburtstag von Hans Mayer am Donnerstag, dem 9. November 2007 in der Volkshochschule Köln.

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